Gemeinsam Kinderrechte stark machen für eine Welt ohne Armut!

Schon zum sechsten Mal hatte das f.i.t.-Projekt „Sichtbar, aber auch nicht stumm“ am 17. Oktober zu einer Feierstunde eingeladen, um den UNO-Welttag zur Überwindung von Armut und Ausgrenzung zu begehen. Die Veranstalter arbeiten v.a. mit dem Sonderpädagogischen Förderzentrum (SFZ) „Schule am Martinsberg“ und dem Verein „ATD Vierte Welt in Deutschland“ zusammen, sowie mit der „Evangelischen Erwach­senenbildung Hof-Naila“. Dieses Jahr fand sich mit dem Nailaer Jugendtreff JuNaited ein weiterer Partner.

Was war im Bonhoefferhaus in Naila zu erleben? Ein gut gefüllter Saal; sehr unterschiedliche Menschen in einer Atmosphäre gegenseitiger Offenheit, die im Verlauf des Abends immer herzlicher wurde; Wortbeiträge und Lieder, die unter die Haut gingen und jeweils mit Applaus gewürdigt wurden.

Der Aufruf, der 1987 am Anfang dieses Welttags stand, wurde auf Arabisch, Deutsch, Englisch und Französisch vorgetragen. Die Wortbeiträge des SFZ (siehe Kasten unten) führten mitten ins Thema hinein: „Gemeinsam Kinderrechte stark machen für eine Welt ohne Armut!“

Katrin Hermann vom Jugendtreff JuNaited betonte dazu, dass Kinder ihre Rechte kennen sollten. Sie habe mit vielen Kindern aus benachteiligten Familien zu tun. Diese wollten im Jugendtreff meist nicht auf die Familiensituation angesprochen werden, sondern die damit verbundenen Probleme eher auf Abstand halten, etwas Schönes erleben, um Kraft zu sammeln. Marlies Osenberg berichtete von ihrem Engagement, in dem sie mit Flüchtlingsfamilien und mit benachteiligten Einheimischen solidarisch ist. Beide Gruppen waren im Saal vertreten.

„Was wir sagen, das zählt“ – so hieß es in einem der vorgetragenen Lieder. Gemeint waren die aufgrund von Armut Ausgegrenzten in unserer Gesellschaft, um die es in der ganzen Feierstunde ging. So kamen auch Erwachsene mit Armutserfahrung zu Wort und wurden gehört. Mehrere Politiker sowie Kirchen- und Vereinsvertreter haben dieses Anliegen mit ihrer Anwesenheit unterstützt. Dazu gehörten zwei Bürgermeister, Frank Stumpf aus Naila und Walter Köppel aus Schauenstein, die sich trotz einer Terminüberschneidung die Zeit nahmen. Werner Hick als Ehrenvorsitzender des VdK-Ortsvereins unterstrich die Bedeutung sowohl des Hörens auf die Betroffenen als auch der möglichst wirksamen politischen Aktion. Norbert Peter von ATD Vierte Welt wusste zu berichten, dass dieser Tag weltweit ein wichtiger Bezugspunkt sei. Sabine Krauß von der KASA ermutigte dazu, das Beratungsangebot zu nutzen. Dr. Ulrich Hornfeck erinnerte als Mitglied der evangelischen Landessynode an den dortigen Ursprung der f.i.t.-Projekte – und an den Wert des Menschen, der in unserer Gesellschaft zu stark von der Leistung her gesehen werde. MdL Klaus Adelt meinte, diese Veranstaltung müsste eigentlich in einem Festzelt stattfinden, damit viel mehr Menschen die aktuellen und wichtigen Anliegen mitbekommen könnten. Insgesamt ließen die Grußworte Wertschätzung für den besonderen Charakter der Veranstaltung erkennen, auch für den dafür nötigen Einsatz der Projektleiterinnen – die sich ihrerseits bei allen Mitwirkenden bedankten.

Das Buffet war wieder eine Attraktion. Die Speisen wurden vom SFZ zubereitet; von dort kam diesmal auch die Tontechnik, von einem Schüler zur Verfügung gestellt und tadellos überwacht. Bei der musikalischen Ausgestaltung spielte der „Singende Kaffeetisch“ der Mehrgenerationen-Projektschmiede unter Leitung von Barbara Bernstein seine bewährte Rolle. Solistisch wirkten Inge Einsiedel-Müller, Hans-Jürgen Dommler und Annette Rodenberg mit. Pfr. Bernd Wagner konnte in seinen Schlussworten für 2020 bereits ankündigen, dass da der UNO-Welttag 17. Oktober auf einen Samstag falle und die Veranstaltung im Saal unter der katholischen Kirche stattfinden werde.

Aus den Wortbeiträgen der Kinder/Jugendlichen:
„Ich bin froh, dass ich Eltern habe, die zu mir stehen.“ „Mich belastet, dass ich ins Kinderdorf gekommen bin.“ „Mein Opa ist gestorben, er hat sich immer um mich gekümmert.“ „Meine Eltern streiten, wenn ich Geld für die Schule brauche. Sie schimpfen über die Schule, sie schimpfen mich, wenn ich Geld brauche.“ „Kinder schämen sich, weil sie kein Geld für Kochen, Werken, Schulgeld haben.“ „Auf der Straße schauen Leute weg.“
Welches Kinderrecht möchte ich umgesetzt wissen? Die meisten Nennungen bekam Artikel 9 der UN-Kinderrechts­konvention: „Ich habe das Recht, bei meinen Eltern zu leben. Wenn das nicht geht, habe ich das Recht, regelmäßig mit ihnen in Verbindung zu sein, außer es ist nicht gut für mich.